Illegale Straßenrennen – Auch Beifahrer sollen zur MPU

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Illegale Straßenrennen – Auch Beifahrer sollen zur MPU

Bereits vier tote Verkehrsteilnehmer gab es dieses Jahr in Deutschland aufgrund von illegalen Straßenrennen – drei davon allein in Köln. Die Bezirksregierung Köln hat nun darauf reagiert und in einer Rundverfügung an die Straßenverkehrsbehörden im Regierungsbezirk darauf hingewiesen, dass bei Teilnehmern illegaler Straßenrennen erhebliche Zweifel an der Fahreignung bestehen. Die Behörden sind angehalten, bei diesen Personen die Fahreignung durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) überprüfen zu lassen. Das Besondere dabei: Auch die Beifahrer sollen zukünftig eine MPU absolvieren müssen, da auch bei ihnen Zweifel an der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen bestehen.

Illegale Autorennen sind nach § 29 der Straßenverkehrsordnung (StVO) als „übermäßige Straßenbenutzung“ verboten und ziehen ein Bußgeld bis zu 400 Euro nach sich. Außerdem erhalten die Fahrer zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot. Werden bei den Rennen Menschen verletzt, droht sogar eine Haftstrafe.

 

Was tun gegen illegale Straßenrennen?

Die Polizei versucht mit einigen Maßnahmen gegen die Teilnehmer der illegalen Rennen vorzugehen. Es sollen mehr Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden, um die (oft jungen, männlichen) Fahrer vom Rasen abzuhalten. Gleichzeitig werden auch Kampagnen durchgeführt, um die jungen Fahrer über die Gefährlichkeit ihres Handelns aufzuklären. Da immer häufiger auch Mietwagen für die Autorennen genutzt werden, wird zurzeit über eine stärkere Kooperation der Polizei mit Carsharing-Anbietern nachgedacht. Denkbar wäre, dass in Zukunft Personen mit zu vielen Einträgen im Fahreignungsregister keine Mietwagen mehr erhalten dürfen und vom Angebot der Anbieter ausgeschlossen werden.

Ob die Maßnahmen zum Erfolg führen und die Zahl der illegalen Rennen in Zukunft wieder abnimmt, bleibt abzuwarten. Karl-Friedrich Voss vom Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen sieht in den Autorennen junger Fahrer in erster Linie eine „Methode der Selbstdarstellung“. Junge Männer, die sonst wenig Perspektiven in Ihrem Leben sähen, nützten solche illegalen Autorennen, um das eigene Selbstbewusstsein zu steigern. Hier finden Sie mehr Informationen zur Wiedererteilung des Führerscheins.

Abschreckung und Strafe werden dabei sicherlich wenig an der Beliebtheit illegaler Straßenrennen ändern. Auch die Ursachen und tieferen Beweggründe der jungen Fahrer müssten beleuchtet und Maßnahmen ergriffen werden, ihnen wieder eine Perspektive im Leben aufzuzeigen.

Von | 2018-05-11T16:49:26+02:00 21. Juli 2015 - 13:13|Kategorien: MPU Nachrichten|Tags: , , |0 Comments

About the Author:

Christopher Schwarz ist Verkehrspsychologe und Geschäftsführer bei der DMB Science & Consulting GmbH (ehemals DMB Die MPU Berater GmbH). Seit 2018 ist er als Fachpsychologe für Verkehrspsychologie (BDP) zertifiziert.

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